Katrin Neudolt (Badminton)

Gut gerüstet allen Umständen zum Trotz

Das Jahr 2020 hat für Katrin Neudolt eigentlich ausgezeichnet begonnen. Die gehörlose Badmintonspielerin sicherte sich den Staatsmeistertitel im Dameneinzel bei den Hörenden und konnte sich erstmals auch für eine Hörenden-EM qualifizieren. Die hätte im April stattfinden sollen. Mit den Corona-bedingten Wettkampfabsagen und Einschränkungen konnte die Heeressportlerin aber gut umgehen: „Es haben sich einfach die Trainingsumstände geändert. Dank dem österreichischen Bundesheer bin ich Vollzeitprofi. Das hat mir ermöglicht, Leistungssport zu hundert Prozent auszuüben und gleichzeitig studieren zu können. Ich habe in dieser Zeit den Fokus auf den Abschluss der Masterarbeit gelegt. Generell habe ich aus dem halben Jahr sehr viel Positives mitgenommen.“

Ihr MBA-Studium schloss Katrin Neudolt im Juni ab. Schon zuvor, in ihrem Bachelorstudium in Sportwissenschaft, wurde sie auf ihrem Bildungsweg von KADA begleitet: „Ich bin zwar ein Mensch, der sehr viel alleine plant, aber es hat mir geholfen, mit meinem Laufbahnberater alles Schritt für Schritt durchzugehen, mir Tipps zu holen und einfach diese Netzwerkverbindung zu haben. Im Bachelor gab es leider ein paar Professoren, die wenig Einsicht für trainings- und wettkampfbedingte Abwesenheiten hatten und da hat KADA die Koordination übernommen. Im MBA konnte mich KADA bei der Finanzierung von Gebärdensprachdolmetschern unterstützen.“

Zeitlich kam die organisierte Niederösterreicherin im Studium gut zurecht, dafür hatte sie mit anderen Hürden zu kämpfen: „Schade war, dass es im Bachelorstudium kaum Untertitel gab oder Vorlesungsskripte zur Verfügung gestellt wurden. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.“

Abseits davon war das Studieren für sie eine prägende Zeit, die ihr viel Freude bereitet hat: „Das Studium war eine extreme Bereicherung, sowohl für den Leistungssport als auch für die persönliche Weiterentwicklung. Mir hat der Kontakt zu anderen Personen und Persönlichkeiten gefallen, vor allem der Austausch mit anderen Spitzensportlerinnen und -sportlern. Aber auch von den Inhalten her habe ich viel mitnehmen können. Ich hab so viel Neues kennengelernt, wo ich gesehen habe, okay, das taugt mir, da will ich mehr darüber erfahren. Ich versuche schon jetzt, diese Dinge so gut es geht umzusetzen.“

Spitzensportlerin und Managerin zugleich

Die Erkenntnisse aus dem Studium macht sich Katrin Neudolt nämlich für ihre eigene Sportkarriere zunutze. Sie kümmert sich selbst um Angelegenheiten wie Sponsoring oder ihren medialen Auftritt.

Badminton spielt sie schon seit sie sieben Jahre alt ist. Erst mit 17 erfuhr sie, dass es auch Badminton-Bewerbe für Gehörlose gibt. Beim Sport verzichtet sie meist auf Hörgeräte: „Ich merke extrem den Unterschied. Ich bin viel fokussierter, sowohl beim Training als auch bei Wettkämpfen, weil ich die Geräusche aus der Umgebung nicht wahrnehme. Doch egal ob mit oder ohne Hörgerät, ich kann nicht hören, wenn der Ball geschlagen wird, sondern es nur sehen. Durch die längere Reaktionszeit bin ich etwas benachteiligt. National wie international gibt es allerdings nur wenige Bewerbe für Gehörlose, daher muss ich bei Hörenden mitspielen. Aber das ist gut für mich, weil das Niveau dort einfach höher ist.“

Sportlich hat sie in beiden Bereichen viele Erfolge vorzuweisen. Ein unvergesslicher Moment war für sie Gold bei der Gehörlosen-EM 2018, das sie nach einer schweren Knieverletzung erreichte: „Dieser Titel bedeutet mir sehr, sehr viel. Ich kann eigentlich bis heute nicht glauben, dass ich mich nach der Verletzung dermaßen hab steigern können. Es war auf jeden Fall eine Belohnung für mein Trainerteam, für die harte Arbeit. Dabei haben wir im Vergleich zu Hörenden oder Parasportlern kaum finanzielle Mittel und mein Team macht extrem viel ehrenamtlich für mich.“

Berufliche Zukunftspläne

Wie es nach der Sportkarriere beruflich weitergehen könnte, dazu hat Katrin Neudolt konkrete Vorstellungen. Schon jetzt bietet sie Vorträge über Gehörlosigkeit und nonverbale Kommunikation in Sport und Alltag an. Die Idee dazu stammt ebenfalls aus ihrem Studium. Dort hat sie sich intensiv mit dem Thema Körpersprache im Wirtschaftskontext beschäftigt.

„Aus eigener Erfahrung – ob im täglichen Leben oder auf Reisen – habe ich gemerkt, wie schnell Sprache an ihre Grenzen stößt. Sogar im Sport kommt Kommunikationsbedarf auf. Dabei fördern gerade hier die festen, verständlichen Regeln Inklusion. Körpersprache anzuwenden macht es wesentlich einfacher, sich gegenseitig zu verständigen. Auf diesen Bereich möchte ich einmal aufbauen. Diese Basis aus Körpersprache kann auch für Unternehmen und Führungskräfte nützlich sein. Ich könnte mir auch vorstellen, Unternehmen bei der Produktentwicklung zu unterstützen, die den Bereich Barrierefreiheit antreiben möchten.“

Wir sind gespannt, wie sich diese Pläne weiterentwickeln und drücken für alle sportlichen und beruflichen Vorhaben die Daumen!