Madeleine Egle (Rennrodeln)

Mit Weitblick hoch hinaus

Es war ein besonderer Tag, als Madeleine Egle 2007 die Rodel-Weltmeisterschaft in Igls besuchte. Damals erlebte sie mit ihrer Volksschulklasse hautnah die Wettbewerbe mit und hatte die Möglichkeit, das österreichische Nationalteam zu treffen. Seit dann war klar: die Tirolerin wollte sich selbst in die Eisbahn wagen. Umso erfreulicher als sich schließlich herausstellen sollte, dass sie das Zeug zur Spitzenrodlerin hatte: „Absehbar war es eigentlich nie so richtig. Ich habe schon immer zu der Kategorie gehört, die sehr hart kämpfen musste, um weiterzukommen. Hinzu kam dann 2012 mein Oberschenkelbruch, der für mich fast ausschlaggebend war, meine Karriere zu beenden. In gewisser Weise hat mich die Verletzung aber weiter vorangebracht und jetzt gebe ich noch mehr für meine Ziele.“

Diese Beharrlichkeit sollte sich bezahlt machen. Nach dritten Plätzen bei den Olympischen Jugend-Winterspielen 2016 und der Junioren-Weltmeisterschaft 2017 schaffte Madeleine Egle den Sprung ins Nationalteam. Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 holte sie mit gerade einmal 19 Jahren Bronze in der Teamstaffel. „Es war für mich unglaublich, bei Olympia dabei zu sein“, erinnert sie sich zurück. „Allein schon, weil es bei mir erst sehr spät klar war, dass ich dabei sein durfte. Dass dann noch eine Medaille im Teambewerb herausgeschaut hat, war der absolute Wahnsinn. Olympische Spiele sind einfach der Traum eines jeden Athleten. Dieser ganze Olympische Flair und mit so vielen Sportlerinnen und Sportlern aus so unterschiedlichen Disziplinen und Nationen zusammenzukommen, war schon eine mega Erfahrung.“

Die Zukunft im Blick

Trotz beachtlicher Erfolge in jungen Jahren behielt die ambitionierte Athletin den Weitblick, sich über den Sport hinaus perspektivisch mit Bildungsfragen auseinanderzusetzen. Kurz nach Olympia kam sie daher zu einem Erstberatungsgespräch zu KADA: „Für mich war schon immer klar, dass man mit Rodeln allein nicht die Welt verdient und sich unabhängig machen kann – egal, wie gut man ist. Ich hatte bereits einige Zeit nach Möglichkeiten mich weiterzubilden geschaut, wurde aber wirklich oft enttäuscht, da mir als Sportlerin sehr wenig Verständnis entgegengekommen ist. Es war auch so, dass ich nicht einfach nur ein zweites Standbein brauchte, sondern es ist für mich psychisch wichtig, nicht nur vom Sport anhängig zu sein.“

Die Wahl fiel auf Wirtschaftsrecht: „Es war ursprünglich eine Entscheidung der Möglichkeiten. Ich habe mich informiert, welche Studiengänge sich von der Anwesenheit her mit Rodeln kombinieren lassen. Dabei bin ich auf Wirtschaftsrecht gestoßen. Anfangs war ich nicht sicher, ob es etwas für mich ist. Mittlerweile finde ich es aber wirklich interessant“, zeigt sie sich zufrieden.

Bei der Vereinbarung von Sport und Studium wird Madeleine Egle von KADA unterstützt: „Ich bin Dank KADA im SLS-Programm der Universität Innsbruck. Es gibt einem die Möglichkeit, bei Präsenzveranstaltungen wegen Trainings und Bewerben öfter zu fehlen und Ausgleichsleistungen für die Abwesenheiten zu machen. Gemeinsam mit meiner Laufbahnberaterin überlege ich mir dabei ein Konzept, wie ich jedes Fach am besten angehe.“

Gute Planung ist alles

Bei Trainings, Wettkämpfen und Reisen auf der einen Seite, Präsenzveranstaltungen, langen Lerntagen und Prüfungen auf der anderen kommt es aus ihrer Erfahrung auf den richtigen Zugang an: „Planung und Disziplin sind der Schlüssel, um alles unter einen Hut zu bekommen. Es ist nach anstrengenden Trainingseinheiten schon oft schwierig, sich noch zu konzentrieren und etwas für die Uni zu machen. Aber da muss man sich einfach aufraffen. Auch wenn es nur ein bisschen ist, schafft man somit eine Routine Das macht es leichter, sich nach dem Training fürs Lernen zu motivieren.“

Wohin die Reise nach ihrer Sportkarriere einmal beruflich führen soll, das lässt sie sich noch offen. Zurzeit genießt sie das Studentenleben als Ausgleich zum fordernden Sportalltag: „Es gibt mir das Gefühl, dass ich etwas zu tun habe. Ich muss alles aufeinander abstimmen und lerne, mich zu organisieren. Ich treffe auch Leute außerhalb des Sports. Das zeigt mir andere Perspektiven auf – nicht nur das sportliche Denken – und gibt mir Einblicke in das Leben anderer. Es ist manchmal schon ganz gut, nicht nur mit Sportlern zu interagieren.“

Aktuell laboriert Madeleine Egle an einer Schulterverletzung, der neuen Saison sieht sie aber optimistisch entgegen. Dass sie jede Menge vorhat, ist ersichtlich: „Meine Karriereziele sind unter anderem wieder die Olympischen Spiele in Peking wo ich um Medaillen mitfahren möchte. Ich möchte es auch schaffen, im Gesamtweltcup unter die Top 3 zu kommen und bei Welt- und Europameisterschaften um die Medaillenränge mitzumischen.“

Dafür drücken wir fest die Daumen!